Stellenplan-Chaos

 

In der griechischen Sage mußte Herakles die Rinderställe des Königs Augias ausmisten. Dort sollen 3000 Rinder gehalten worden sein, wobei der Stall 30 Jahre lang nicht ausgemistet wurde Deshalb wurde eine Reinigung für nicht mehr möglich gehalten. Herakles jedoch verpflichtete sich, die Arbeit an einem Tag zu erledigen. Augias versprach ihm dafür den zehnten Teil seiner Rinder als Lohn, wohl wissend, dass niemand diese Arbeit in solch kurzer Zeit würde erledigen können. Die Aufgabe war außerdem für einen Helden wegen der unwürdigen Arbeit nicht nur schmählich, auf Grund des Umfangs erschien sie selbst für einen Halbgott unmöglich.

Herakles erledigte die Arbeit, indem er die Fundamente des Stalles an einer Seite aufbrach und durch einen Kanal das Wasser zweier Flüsse  durch den Stall leitete wodurch dieser gesäubert wurde.

Wenn in Politik oder Verwaltung gravierende Mißstände ersichtlich werden, redet man gerne davon, dass es nötig sei, einen  „Augiasstall auszumisten“.  Redensartlich ist also ein „Augiasstall“ ein „Riesensaustall“, der heftig stinkt.

***

 

Man erinnert sich unwillkürlich an diese altgriechische Story, wenn man die Organisationsgrundlagen unserer Verwaltung betrachtet. Nachdem die städtische Rechnungsprüfung vor zwei Jahren festgestellt hatte, dass  Organisations- und Personalstrukturpläne in unserer Verwaltung seit Ende der 80-er Jahre nicht fortgeschrieben worden waren, wurde für viel Geld ein Strukturgutachten in Auftrag gegeben. Nun stellte die Bürgermeisterin ein schönes buntes Organigramm vor, als Ergebnis dieser Arbeit sozusagen.

Nun sind schöne bunte Organigramme zwar sinnvoll, um einen Überblick über die Organisation zu gewinnen. In einer Verwaltung sollten sie jedoch auch eine sachbezogene Basis in Form von Aufgabengliederungsplänen, Dezernatsverteilungsplänen und nicht zuletzt auch Stellenbeschreibungen und daraus folgenden Stellenbewertungen haben. Auf unsere Nachfrage  stellte sich jedoch heraus, dass derartige Strukturpläne immer noch nicht vorhanden sind. Schlimmer noch, die Stellenbeschreibungen sollten sogar in „größerem Umfang“ fehlen. Später war von etwa 200 fehlenden Beschreibungen die Rede.

Daraufhin wollten wir es genau wissen und uns nicht mehr mit vagen Angaben der Verwaltungsleitung zufrieden geben. Die FDP nahm Akteneinsicht und es stellte sich heraus, dass alles noch viel schlimmer ist:

Die letzten zusammenfassenden Strukturpläne stammen vom 30. 12. 1977, sind also nicht 30 Jahre, wie bei Augias, sondern sogar 37 Jahre alt, damals noch vom Stadtdirektor Dr. Sondermann unterschrieben. In Kraft gesetzte (also rechtlich verbindliche) Stellenbeschreibungen gibt es heute noch genau 17 bei  insgesamt 461 Stellen in der Verwaltung der Stadt Gronau.

Wenn Sie am ganzen Ergebnis der Akteneinsicht interessiert sind, klicken Sie hier:    Akteneinsicht

Neben ihrer organisatorischen Bedeutung haben Aufgabengliederungspläne, insbesondere aber Stellenbeschreibungen große Bedeutung für personalwirtschaftliche und insbesondere auch dienstrechtliche Fragestellungen. Jeder Mitarbeiter in der Verwaltung muß anhand seiner Stellenbeschreibung erkennen können, was seine Aufgabe ist und ob er richtig eingruppiert wurde, was wiederum für seine Besoldung ausschlaggebend ist. Tarifrechtlich und beamtenrechtlich haben die Mitarbeiter im Rathaus daher einen Rechtsanspruch auf aktuelle Stellenbeschreibungen.

Auf die Folgen fehlender Stellenbeschreibungen  wies die FDP-Fraktion die Bürgermeisterin ausdrücklich hin.    Eine Reaktion darauf ist bis heute nicht erkennbar

Jetzt allerdings sollte in öffentlicher Sitzung  beraten werden, was grundsätzlich zu tun ist. Sehen Sie nach in der Sitzungsvorlage für den Haupt- und Finanzausschuss in der vergangenen Woche, klicken Sie hier:      Sitzung

Wie Sie an der Sitzungsvorlage erkennen, hält man  in unserem Rathaus die Arbeit für zeitaufwendig. Wann und wie damit begonnen wird, steht zur Zeit allerdings noch in den Sternen; denn die Sitzung mußte aus Zeitgründen verschoben werden.

Nach der Wahl wird es weitergehen und man darf gespannt sein, welcher Herakles aus dem Rathaus dann für die seit 37 Jahren überfällige Ordnung sorgt.

 

 

 

Schreibe einen Kommentar